A. A.

A. A. — Anna Atkins is not an „Anonymous Amateur“

The series is an ongoing participatory project. English see below.

Die Cyanotypie-Serie ist eine Ehrung der Fotopionierin und Botanikerin Anna Atkins († 9. Juni 1871). Die Femmage reaktiviert ihr Erbe und verknüpft drei Ebenen: eine Wildpflanze, eine historische Frau* und eine lebende Person aus demselben Wirkungsfeld. Das Kunstprojekt nutzt den Eisenblaudruck als Medium für eine dialogische Ästhetik der Gegenwart.

Die Initialen Anna Atkins’ wurden mit „Anonymous Amateur“ falsch interpretiert. Wie das Werk vieler Frauen* wurde auch ihres von der Geschichtsschreibung unsichtbar gemacht. Weltweit wird regelmäßig ein strukturelles Ungleichgewicht in Geschichts- und Lehrbüchern festgestellt. Bis heute sind mehr als drei Viertel aller Ausstellungen in Kunstmuseen und Werke in Sammlungen sowie Biografien in der Encyclopædia Britannica und digitalen Enzyklopädien Männern gewidmet. Diese Dominanz liegt nicht an fehlenden Beiträgen, sondern daran, wer auswählt und aufschreibt. Das Kunstprojekt A. A. greift dieses Schweigen auf.

Anna Atkins verwendete den damals neu entdeckten Eisenblaudruck, um Pflanzen wissenschaftlich detailliert zu dokumentieren. 1843 schuf sie mit „British Algae: Cyanotype Impressionsden ersten fotobasierten Band der Geschichte.

Transformation

Cyanotypie basiert auf der Reaktion von zwei Eisensalzen mit UV-Licht zu Berliner Blau. Die historische Technik wird experimentell genutzt, um Verborgenes sichtbar zu machen. Bei dem Negativ-Verfahren ohne Kamera werden Schatten und abgedeckte Bereiche hell. Die Photogramme entstehen als ortsspezifischer Prozess im Freien und werden durch die Sonne belichtet. Um die lokale Umwelt nicht zu belasten, wird das belichtete Papier im Dunkeln ins Atelier transportiert und dort ausgewaschen. Die wasserlöslichen Reste gelangen über das Abwassernetz in die Kläranlage. Dort verbinden sie sich im Klärprozess mit Eisen-Ionen und kehren schließlich als dauerhafte Mineralien wieder in den Stoffkreislauf zurück.

Partizipation

Im Zentrum stehen Ko-Produktion und Austausch: Wie stehen die Arbeit und das Leben der heutigen mit den historischen Frauen* und den Wildpflanzen in Verbindung? Ihre sich verflechtenden Geschichten hinterfragen patriarchale Muster der Geschichtsschreibung. Wieso sind diese Reflexionen für das Heutige bedeutsam und wie können sie uns angesichts der Krisen des 21. Jahrhunderts stärken? Die in Berliner Blau aufgenommenen Begegnungen von Personen und Pflanzen verweigern einfache Antworten und treten in Dialog.

Die Serie ist ein fortlaufendes Teilhabe-Projekt. Bei Interesse an einer Teilnahme oder einem Austausch freue ich mich über Ihre Kontaktaufnahme mit einer kurzen Beschreibung, was Sie mit diesem Thema verbindet oder an welche historische Frau* Sie erinnern möchten.


This cyanotype series pays tribute to the photography pioneer and botanist Anna Atkins. The *femmage* revitalizes her legacy by interweaving three elements: a wild plant, a historical woman, and a living individual active in the same field. The art project employs the cyanotype process as a medium for a contemporary, dialogic aesthetic.

Anna Atkins’s initials were misidentified as standing for „Anonymous Amateur.“ Like the work of many women, hers was rendered invisible by historical record. A structural imbalance is regularly observed in history books and textbooks worldwide. To this day, more than three-quarters of all exhibitions in art museums and works in collections—as well as biographies in the Encyclopædia Britannica and digital encyclopedias—are dedicated to men. This dominance is not due to a lack of contributions, but rather due to who chooses and writes. The art project A. A. takes up this silence.

Anna Atkins utilized the cyanotype process to document plants with scientific precision. In 1843, she created *British Algae: Cyanotype Impressions*, the first photo-based book in history.

At the heart of the work lie co-production and exchange. How do the lives and work of women* today connect with those of women* from the past? Together with wild plants, their stories challenge patriarchal patterns of historical narrative. Why are these reflections significant for the present, and how can they empower us in the face of 21st-century crises? Captured in Prussian blue, these encounters between people and plants resist simple answers and engage in dialogue.

The series is an ongoing participatory project. If you are interested in participating or exchanging ideas, please get in touch with a statement of interest about your connection to this topic or the historical woman* you would like to commemorate.

References:
Schaaf, Larry J.; Chuang, Joshua; Walz, Emily; Ware, Mike: Sun Gardens: Cyanotypes by Anna Atkins. New York, NY : The New York Public Library, 2018.
Reagle, Joseph (Northeastern University); Rhue, Lauren (New York University): Gender Bias in Wikipedia and Britannica. International Journal of Communication 5 (2011), 1138–1158.
Topaz, Chad et al.: Diversity of artists in major U.S. museums. 2019.
UNESCO: Creating sustainable futures for all; Global education monitoring report, 2016.